Notwendige Texte
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Arno Schmidt: Die Gelehrtenrepublik
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Viktor Jerofejew: Die Moskauer Schönheit
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Markus Werner: Zündels Abgang
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Karola Tembrins: Anne R. Cherie
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Norman Ohler: Die Quotenmaschine
- Und?
Keine Antwort. Statt dessen verschwand sein Kopf. Ächzend und laut
keuchend kroch er weiter. Es war glitschig. In der Dunkelheit stieß
er immer wieder auf pralle, elastische Gebilde, die taumerlten wie nicht
vertäute Luftschiffe, zur Seite schwammen und wiederstrebend den Weg
freigaben. Ein satter, in Schwaden aufsteigender Geruch entmutigte ihn,
aber er nahm sich zusammen und kroch vorwärts, wobei er lateinische
Begriffe vor sich hin murmelte, dazu berufen, die düstere und raubgierige
Welt des geheimnisvollen Tempels zu entzaubern und der beschwerlichen Fortbewegung
den Charakter einer wissenschaftlichen Exjursion zu verleihen. Hartnäckigkeit,
Erfahrung und der Gleube an sein Medizinerlatein trugen un nicht geringem
Maße dazu bei. Er war glücklich in die Spalte hineingeglitten,
zwischen warmen, in ihrem Innern glucksenden Klippen hindurch, die an Weinschläuche
mit erhitztem Wein oder an Mollusken erinnerten, da sie zeimlich ekelhaft
aussehende Kämmchen, winzige Kämmchen und Saugnäpfchen besaßen,
die nicht eine Sekunde ihre unsystematischen Bewegungen unterbrachen und
sich auf mageren Beinchen bewegten - nachdem er also an den erwähnten
Saugnäpfchen glücklich vorbeigekommen war - dafür muißte
er allerdings einige Saugnäpfchen mit der Wurzel ausreißen,
wobei eine Molluske zu bluten begann -, erreichte er das bestimmte Ziel,
und unwillkürlich, von starker Erregung gepackt, begeisterte er sich
an der sich ihm eröffnenden Aussicht:
IN DEM WEITEN, VON DER SONNE LIBKOSTEN TAL ERBLÜHTEN IN ZAHRTEM HELLBLAU
DIE BERGAMOTTBÄUME.
- Und? Was tun Sie da? He!
[Viktor Jerofejew, Die Moskauer Schönheit]
Liessa verläßt das Glas, betritt ihr Studio: fremdes Territorium:
sie schaut nach innen, betrachtet Ray durch die Glaswand hindurch - und
er betrachtet sie, betrachtet die doppelt: Real-Liessa, dabei gleichzeitig
ihre Reflexion, die sich ihm entgegenwirft, auf die er zugeht, der er sich
nähert, bis die Spiegelung seine Gestalt leckt, bis sie sich auf seinen
Körper giesst, er langsam mit Liessas Image deckungsgleich wird, es
absorbiert: Film ihrer Information auf seinen Kleidern, seiner Haut: BLITZ:
Verschwindend, das Abbild, weil Liessa: ein Lampe eingeschaltet hat, um
den Glaskosmos zu erhellen: Ray schüttelt den Kopf: zu intensiv, das
Licht: blendet, verjagt: Liessa reagiert, legt den Schalter um, ihre Spiegelung
erschillert, sie gleitet in ein Wechselspiel mit Ray: Gesten, Zeichen:
Wandelt durch ihr Studio, öffnet die Jalusie des größten
Fensters: Ray nickt: strahlend: Lichtmeer dahinter, das tranceartig, beruhigend
zu ihm reinkommt: Liessa aktiviert schwarzes Licht, das ihrem Studio einen
samtigen Ton gibt: Ray schwimmt in einem Meer von fragilen nachtigen Kreaturen,
die sich durch den Glasraum weben: Liessa gleitet zurueck, zu ihm, rein
in das gestaltete Universum, und ihre Welt hat sich verändert, die
Welt der Reflexionen, die Welt.
[Norman Ohler, Die
Quotenmaschine]