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Liebe Abiturientin, lieber Abiturient,

wenn Sie sich für ein Studium der Informatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster interessieren, dann bitten wir Sie, sich die folgenden Zeilen durchzulesen. Die Entscheidung für ein Studium ist eine zentrale Weichenstellung im eigenen Leben. Sie will gut überlegt sein. Wir möchten Ihnen für diese Entscheidung, die Sie selber treffen müssen, einige unterstützende Informationen geben.

Warum Informatik studieren?

Die Informationstechnik durchdringt heute fast alle Bereiche des Lebens, Computer beeinflussen direkt oder indirekt jeden Beruf und nahezu jede Tätigkeit. Banken, Börsen, Versicherungen, Flugüberwachungszentralen, Kliniken, Verwaltungen, Kraftwerke, Walzstraßen, Heizungen, Wasserversorgung -- nichts davon würde ohne Computer so funktionieren, wie wir das gewöhnt sind.

Unsere Gesellschaft hat sich vollständig und unumkehrbar von einer Erfindung abhängig gemacht hat, die gerade einmal fünfzig Jahre alt ist. Noch vor wenigen Jahrzehnten hat jedes der genannten Systeme ,,computerfrei'' existiert. Heute dagegen ist ohne Computer, ohne Software, ohne Informatik kein Bereich unseres Wirtschafts- und Arbeitslebens mehr vorstellbar und auch der private Lebensbereich wird immer stärker informatisiert.

Ein Positivum dieser Abhängigkeit ist, dass jeder, der sich im Computerbereich qualifiziert, beste Berufschancen hat. IT-Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden der sich gerade erst entwickelnden Informationsgesellschaft. Anfang 1999 wurde die Anzahl der unbesetzten IT-Stellen im Jahr 2000 in Deutschland auf 200.000 geschätzt. In einer Zeit schwindender Arbeitsplätze sind Kenntnisse der Informatik gefragt wie kein anderes Berufsprofil.

Aber gute Arbeitsmarktchancen allein sollten nicht den Ausschlag für die Wahl eines Studienfachs geben. Informatikern und Informatikerinnen stehen nicht nur ausreichend viele und gut bezahlte, sondern vor allem interessante Jobs offen, in denen man seinen Spieltrieb und seine Kreativität entfalten kann, in denen man keine Routine zu befürchten hat, sondern jeden Tag neu herausgefordert wird.

Auch das Studium selbst ist kein Routine-Studiengang, es hat viele Facetten und bietet Chancen und Möglichkeiten. Informatik ist ein anspruchsvolles, manchmal schwieriges, fast immer aber interessantes Studium.

Was ist Informatik?

Das Informatik-Studium ist nicht, wie viele Studierende -- vielleicht aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Informatikunterricht in der Schule -- glauben, eine Art gehobener Programmierkurs. Programmierung spielt natürlich eine wichtige Rolle, aber das Fach Informatik definiert sich über eine Vielzahl weiterer Inhalte.

Was Informatik genau ist, lässt sich wegen des universellen Charakters des Informationsbegriffs nicht mit wenigen Worten sagen. Man kann Informatik definieren als die Wissenschaft, die sich mit der maschinellen Verarbeitung von Informationen beschäftigt. Das besagt aber wenig über das, was in diesem Fach tatsächlich geschieht. Aufgaben und Selbstverständnis der Informatik haben sich in den letzten Jahren ständig erweitert; der Wandel wird noch auf lange Zeit die einzige Konstante bleiben. Informatik ist eine typische Querschnittstechnologie, die Denkmuster des Fachs lassen sich in völlig unterschiedlichen Bereichen anwenden.

Auch die klassische Einteilung der Informatik hilft nur begrenzt weiter:

  • Praktische Informatik: Der Kernbereich der Informatik, bei dem es um die strukturellen, algorithmischen, programmiersprachlichen und softwaretechnischen Grundlagen von Computeranwendungen geht.
  • Angewandte Informatik: Die sogenannten ,,Bindestrich-Informatiken'', in denen die Informationstechnologie auf ein anderes Gebiet angewandt wird. Beispiele sind Wirtschaftsinformatik, Geoinformatik, Medizinische Informatik, Rechtsinformatik, um nur einige zu nennen. (Hm, alle ohne Bindestrich.) Auch die ,,Mensch-Maschine-Schnittstelle'' gehört zum Themengebiet der Angewandten Informatik.
  • Theoretische Informatik: Der Teil der Informatik, in dem ihre Grundlagen mit formal-mathematischen Methoden studiert werden. Unter anderem wird danach gefragt, was man mit Computern berechnen kann, bzw. was prinzipiell nicht berechenbar ist (erstaunlich viel!), wie schnell man Probleme lösen kann und welche Laufzeitschranken man als unüberwindbar akzeptieren muss.
  • Technische Informatik: Der ingenieurwissenschaftliche Teil des Fachs, bei dem es um die Konstruktion von Hardware geht. Dieses Gebiet ist vor allem an technischen Universitäten oder Fachbereichen vertreten.
Die Inhalte, und damit auch die Studieninhalte, dieser Teildisziplinen ändern sich ständig. Wer sich nach dem Erlernen seiner ersten Programmiersprache zur Ruhe setzen will und meint, damit sein Leben als InformatikerIn bestreiten zu können, der sollte besser ein anderes Fach studieren.

Wer sollte Informatik studieren?

Für ein Informatikstudium genügt es nicht, sich für Computer zu interessieren.

Voraussetzung für Erfolg in diesem Studium ist vor allem die Fähigkeit, einerseits ,,analytisch'' und andererseits ,,konstruktiv'' zu denken.

Mit ,,analytischem Denken'' ist die Fähigkeit gemeint, Systeme zu zergliedern, in Teilsysteme zu zerlegen, deren innere Gesetzmäßigkeiten und Beziehungen untereinander aufzuspüren, Details wegzuabstrahieren oder herauszuarbeiten. Naturwissenschaftler, Ingenieure, vor allem aber Mathematiker (und -innen) müssen diese Art des Denkens beherrschen. Wer in sich keinerlei Sympathie für ,,Formelkram'', für das Hantieren mit abstrakten Objekten verspürt, der sollte seine Finger von der Informatik lassen, er (oder sie) wird damit nicht glücklich werden. Nicht umsonst hat jedes Informatikstudium einen nicht geringen Anteil an Mathematikvorlesungen.

Umgekehrt ist aber noch nicht jeder Mensch, der Spaß am abstrakten, der Mathematik verwandten Denken hat, automatisch auch für das Studium der Informatik prädestiniert. Dazukommen sollte noch die Begeisterung am Konstruieren, am Erschaffen neuer Systeme, am praktischen Einsatz der wahrhaft unbegrenzten Möglichkeiten, die das Medium Computer eröffnet. Dabei ist mehr notwendig, als die Fähigkeit zur handwerklich soliden Anwendung vorgegebener Konstruktions- oder Programmierschemata: Gefragt ist praktische Kreativität, die Neugier darauf, etwa einen betriebswirtschaftlichen oder mathematischen Zusammenhang in ein Softwaresystem umzuformen, oder vorhandene Programme an neue Situationen anzupassen. Wer keine Lust an der praktischen Umsetzung von Ideen auf dem Computer verspürt, der wird in der Regel kein guter Informatiker werden.

Dazu kommen noch hohe Anforderrungen an die Flexibilität. Wer Informatik studiert, muss bereit und in der Lage sein, sich ständig auf neue Technologien einzustellen, sich in sehr kurzer Zeit in neue, oft zunächst völlig ungewohnte Bereiche nicht nur der Informatik, sondern vor allem auch der Anwendungsgebiete einzuarbeiten. Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zu konsequentem Arbeiten, zeitweilig auch unter Stressbedingungen.

Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen, haben Sie gute Gründe dafür, Informatik als Studienfach in Betracht zu ziehen. Man kann auf vielerlei Weisen Informatik studieren.

Welche Studienmöglichkeiten gibt es in Münster für Informatik?

Sehr viele - wir möchten Sie hier gern auf die Informationen der ZSB und die Liste des Institus für Informatik verweisen.

Prof. Dr. Achim Clausing
Institut für Informatik der WWU Münster
Einsteinstr. 62
48149 Münster
Tel. 0251-83-33779
Email: achim.clausing@uni-muenster.de
 

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